Einsteckschlösser und Mehrfachverriegelungen – besondere Bauarten und Funktionen

In diesem Artikel finden Sie ausführliche Informationen zu dem im Titel genannten Thema. Für einen schnellen Überblick lesen Sie bitte unsere Zusammenfassung: Einsteckschlösser und Mehrfachverriegelungen im Überblick

Bei der Auswahl eines Türschlosses sind unterschiedliche Merkmale zu unterscheiden. Buntbartschließung, Profilzylinder und WC-Verriegelung beschreiben die Schließungs- beziehungsweise Bedienungsart. Begriffe wie Selbstverriegelung, Panikfunktion oder motorische Entriegelung bezeichnen dagegen zusätzliche Funktionen. Eine Magnetfalle beschreibt wiederum eine besondere Konstruktion der Schlossfalle. Diese Eigenschaften können miteinander kombiniert werden. So gibt es beispielsweise Magnetfallenschlösser mit verschiedenen Schließungsarten sowie selbstverriegelnde Mehrfachverriegelungen mit Panikfunktion und motorischer Entriegelung.

Für das Verständnis der unterschiedlichen Ausführungen ist zunächst die Unterscheidung zwischen Falle und Riegel wichtig: Die Falle hält eine zugezogene Tür in ihrer geschlossenen Position. Der Riegel übernimmt die zusätzliche mechanische Verriegelung. Bei besonderen Schlosskonstruktionen können beide Aufgaben auch in einem Bauteil zusammengefasst sein, etwa in einem automatisch verriegelnden Fallenriegel. Eine lediglich zugezogene Tür ist daher nicht grundsätzlich mit einer abgeschlossenen oder selbsttätig verriegelten Tür gleichzusetzen.

1. Selbstverriegelnde Einsteckschlösser

Ein selbstverriegelndes Einsteckschloss verriegelt die Tür automatisch, sobald sie ordnungsgemäß geschlossen ist. Im vorgesehenen Automatikbetrieb ist kein zusätzliches Abschließen mit dem Schlüssel erforderlich. Je nach Konstruktion wird der Vorgang beispielsweise über eine Steuerfalle ausgelöst. Eine mechanische Ablaufsteuerung kann dabei verhindern, dass die Riegel bereits bei geöffneter Tür ausfahren.

Welche Bauteile automatisch verriegeln, hängt vom jeweiligen System ab. Bei manchen Schlössern fährt der Hauptriegel selbsttätig aus. Bei anderen Konstruktionen übernehmen zusätzliche Fallenriegel die automatische Verriegelung, während sich der Hauptriegel gesondert mit dem Schlüssel betätigen lässt. Aus der Bezeichnung „selbstverriegelnd“ kann deshalb nicht abgeleitet werden, dass bei jeder Ausführung sämtliche Riegel automatisch ausfahren.

Der wesentliche Nutzen besteht darin, dass die Verriegelung nicht von einer zusätzlichen Bedienhandlung abhängt. Solche Systeme kommen insbesondere an Haus- und Wohnungseingangstüren sowie an Türen in Büro- und Gewerbegebäuden zum Einsatz. Selbstverriegelung bedeutet jedoch nicht Selbstschließung: Das Schloss setzt voraus, dass das Türblatt seine vorgesehene geschlossene Position erreicht. Es ersetzt keinen Türschließer.

Ebenso wenig beinhaltet die Selbstverriegelung automatisch eine Fluchtwegfunktion. Bei bestimmten Ausführungen kann zusätzliches Abschließen sogar den Innendrücker sperren. Soll die Tür auch im verriegelten Zustand ohne Schlüssel von innen geöffnet werden können, ist eine dafür geeignete Panikausführung erforderlich.

2. Mehrfachverriegelungen

Eine Mehrfachverriegelung sichert die Tür an mehreren, über die Türhöhe verteilten Stellen. Neben dem Hauptschloss befinden sich zusätzliche Verriegelungselemente oberhalb und unterhalb des zentralen Schlossbereichs. Je nach Ausführung werden beispielsweise Schwenk- oder Hakenriegel, Bolzenriegel oder automatisch sperrende Fallenriegel eingesetzt. Die Verriegelungspunkte greifen in passende Schließteile im Türrahmen ein.

Die Bezeichnung „Mehrfachverriegelung“ beschreibt zunächst den Aufbau des Systems, nicht seine Betätigungsart. Entsprechend gibt es manuell betätigte, selbstverriegelnde und motorisch betriebene Ausführungen.

Schlüsselbetätigte Mehrfachverriegelungen

Bei einer schlüsselbetätigten Ausführung werden der Hauptriegel und die zusätzlichen Verriegelungselemente über den Schließzylinder betätigt. Zum Abschließen wird der Schlüssel in Schließrichtung gedreht; zum Entriegeln erfolgt die Betätigung in Gegenrichtung. Anschließend wird die Falle je nach Beschlag und Schlossausführung über den Drücker oder mit dem Schlüssel zurückgezogen.

Eine herkömmliche schlüsselbetätigte Mehrfachverriegelung besitzt dadurch noch keine Panikfunktion: Ist sie abgeschlossen, kann auch auf der Innenseite zunächst eine Schlüsselbetätigung erforderlich sein.

Drückerbetätigte Mehrfachverriegelungen

Bei einer verbreiteten drückerbetätigten Bauart werden die zusätzlichen Verriegelungselemente durch Anheben des Türdrückers ausgefahren. Anschließend wird über den Schlüssel der Hauptriegel vorgeschlossen und der Verschluss gesichert.

Zum Öffnen wird zunächst mit dem Schlüssel entriegelt. Danach zieht eine Betätigung des Drückers nach unten die zusätzlichen Verriegelungselemente und die Falle zurück. Das bloße Anheben des Drückers ist bei dieser Konstruktion daher nicht mit dem vollständigen Abschließen gleichzusetzen. Auch hier besteht eine Fluchtwegfunktion nur bei einer ausdrücklich dafür vorgesehenen Ausführung.

Selbstverriegelnde Mehrfachverriegelungen

Bei diesen Systemen werden mehrere Verriegelungspunkte beim Schließen der Tür automatisch wirksam. Die Verriegelung kann beispielsweise durch Fallenriegel erfolgen, die nach dem Einrasten gegen Zurückdrücken gesichert sind. Ob auch der Hauptriegel automatisch ausfährt und welche Wirkung ein zusätzliches Abschließen hat, ist produktspezifisch.

Motorische Mehrfachverriegelungen

Motorische Systeme betätigen die Verriegelungsmechanik elektrisch. Dabei sind zwei Grundprinzipien zu unterscheiden: Bei einer mechanisch selbstverriegelnden Ausführung übernimmt der Motor die Entriegelung. Bei einer vollmotorischen Ausführung erfolgen sowohl das Verriegeln als auch das Entriegeln motorisch. Beide Varianten lassen sich mit einer elektronischen Zutrittskontrolle verbinden.

Mehrfachverriegelungen können außerdem mit einer Panikfunktion ausgestattet sein. In diesem Fall muss die vorgesehene Betätigung auf der Fluchtseite alle für die Türöffnung erforderlichen Verriegelungselemente freigeben. Mehrere Verriegelungspunkte dürfen nicht dazu führen, dass vor dem Verlassen zusätzliche Schlösser einzeln entriegelt werden müssen. 

Die Anzahl der Verriegelungspunkte allein belegt keine bestimmte Einbruchhemmung.

Entscheidend ist das abgestimmte gesamte Türelement einschließlich Türblatt, Zarge, Schloss, Beschlag und fachgerechter Montage. Eine Widerstandsklasse, beispielsweise RC 2, bezieht sich auf die entsprechend geprüfte Konstruktion und nicht allein auf das eingebaute Schloss.

3. Antipanikschlösser und ihre Funktionen

Ein Antipanikschloss ermöglicht das Öffnen einer verriegelten Tür von der vorgesehenen Fluchtseite ohne Schlüssel. Durch Betätigung des Innendrückers oder des zugehörigen Fluchttürbeschlags werden die für die Öffnung maßgeblichen Sperrelemente freigegeben. Bei einem klassischen Schloss mit Falle und Riegel werden beide durch eine Betätigung zurückgezogen. Diese Funktion steht nicht nur in einem tatsächlichen Notfall zur Verfügung, sondern auch bei der normalen Benutzung der Tür.

Die Panikfunktionen B, C, D und E unterscheiden sich insbesondere darin, wie der Zugang von der gegenüberliegenden Seite gesteuert wird und welchen Zustand die Außenbedienung nach einer Öffnung von innen annimmt.

Begriffe und Voraussetzungen für die Funktionsbeschreibung

Im Folgenden bezeichnet Innenseite die Flucht- beziehungsweise Gefahrenseite. Außenseite ist die gegenüberliegende Zutrittsseite. Diese Bezeichnungen beziehen sich auf die Funktion der Tür, nicht zwingend auf die Innen- und Außenseite eines Gebäudes.

Ein eingekuppelter Außendrücker ist mit der Schlossmechanik verbunden und kann die vorgesehene Öffnungsfunktion auslösen. Ein ausgekuppelter Außendrücker bewegt sich im Leerlauf: Er lässt sich betätigen, zieht die erforderlichen Sperrelemente aber nicht zurück.

Die folgenden Beschreibungen erläutern die mechanischen Grundfunktionen. Selbstverriegelung und elektrische Zusatzfunktionen können die konkrete Umsetzung verändern. Eine Schlüsselbetätigung von innen setzt einen dort bedienbaren Schließzylinder voraus. Bei handverriegelnden Ausführungen kann dieser zur regulären Ver- und Entriegelung dienen; für das Öffnen über die Fluchtfunktion ist eine Zylinderbetätigung jedoch nicht erforderlich.

3.1 Panikfunktion B – Umschaltfunktion

Einsteckschloss Panikfunktion BDie Funktion B ermöglicht es, den Außendrücker mit dem Schlüssel dauerhaft freizugeben oder wieder unwirksam zu schalten.

Außenseite: Drücker und Schließzylinder

Außen befindet sich ein Türdrücker. Im gesperrten Zustand ist er ausgekuppelt. Durch die vorgesehene Schlüsselbetätigung am Zylinder wird der Außendrücker eingekuppelt. Diese Freigabe bleibt auch nach dem Zurückdrehen und Abziehen des Schlüssels bestehen.

Bei einem klassischen, manuell verriegelnden Schloss muss ein vorgeschlossener Riegel zunächst mit dem Schlüssel zurückgeschlossen werden. Bei zurückgeschlossenem Riegel kann der freigegebene Außendrücker die Falle zurückziehen. Zum Sperren des Außendrückers ist erneut die dafür vorgesehene Schlüsselschaltung erforderlich. Die genauen Schließwege sind der jeweiligen Bedienungsanleitung zu entnehmen.

Bei selbstverriegelnden B-Ausführungen kann die Aufgabenteilung anders sein: Der Schlüssel kuppelt den Außendrücker ein; der anschließend betätigte Drücker zieht dann auch die automatisch ausgefahrenen Riegel beziehungsweise sämtliche Verriegelungselemente zurück. Eine Beschreibung, nach der der Außendrücker grundsätzlich nur die Falle bewegt, wäre deshalb zu eng.

Innenseite: Drücker und Schließzylinder

Der Innendrücker gibt die Verriegelung ohne vorherige Schlüsselbetätigung frei. Bei einem Schloss mit Falle und vorgeschlossenem Riegel werden beide zurückgezogen. Ein vorhandener Innenzylinder wird für diesen Öffnungsvorgang nicht benötigt.

Die Betätigung des Innendrückers ändert die gewählte Freigabe des Außendrückers nicht: War dieser ausgekuppelt, bleibt er ausgekuppelt. War er freigegeben, bleibt er freigegeben. Die Umschaltung erfolgt ausschließlich über die dafür vorgesehene Schlüsselbedienung.

Damit eignet sich die Funktion B beispielsweise für Türen, die während bestimmter Nutzungszeiten von beiden Seiten ohne Schlüssel begehbar sein sollen, außerhalb dieser Zeiten jedoch nur von innen frei geöffnet werden dürfen.

3.2 Panikfunktion C – Schließzwangfunktion

Einsteckschloss Panikfunktion CDie Funktion C gibt den Außendrücker nur vorübergehend frei. Anders als bei Funktion B lässt sich die Freigabe nicht durch einfaches Abziehen des Schlüssels beibehalten.

Außenseite: Drücker und Schließzylinder

Außen befindet sich ein normalerweise ausgekuppelter Türdrücker. Zum Öffnen wird der Schlüssel in Öffnungsrichtung bis zur vorgesehenen Endstellung gedreht und dort gehalten. Erst in dieser Stellung wird der Außendrücker eingekuppelt. Anschließend kann die Tür durch Betätigung des Drückers geöffnet werden. Die Entriegelung eines vorhandenen Riegels erfolgt dabei entsprechend der jeweiligen Schlosskonstruktion über die Schlüssel- oder Drückerbetätigung.

Solange der Schlüssel in der Freigabestellung steht, lässt er sich nicht abziehen. Zum Abziehen muss er zurückgedreht werden. Dadurch wird der Außendrücker wieder ausgekuppelt. Nur den Schlüssel einzustecken reicht zur Freigabe nicht aus.

Innenseite: Drücker und Schließzylinder

Der Innendrücker ermöglicht jederzeit die Öffnung über die Fluchtfunktion. Er zieht die Falle und einen vorgeschlossenen Riegel zurück, ohne dass zuvor ein Schlüssel im Innenzylinder betätigt werden muss. Die Öffnung von innen bewirkt keine dauerhafte Freigabe des Außendrückers.

„Schließzwang“ bezeichnet hier die erzwungene Rückkehr des Außendrückers in den Leerlauf vor dem Schlüsselabzug. Der Begriff bedeutet nicht automatisch, dass beim Schließen der Tür ein Riegel selbsttätig ausfährt. Eine solche Selbstverriegelung ist eine zusätzliche Eigenschaft des jeweiligen Schlosses. Die Funktion C kommt für Türen infrage, an denen der Zutritt von außen grundsätzlich eine erneute berechtigte Schlüsselbetätigung erfordern soll.

3.3 Panikfunktion D – Durchgangsfunktion

Einsteckschloss Panikfunktion DDie Funktion D ermöglicht nach einer Öffnung über die Fluchtfunktion auch den schlüssellosen Zugang von außen.

Außenseite: Drücker und Schließzylinder

Außen befindet sich ein Türdrücker. Ist das Schloss mit dem Schlüssel verriegelt, befindet sich der Außendrücker im Leerlauf. Wird der Riegel über den Schließzylinder zurückgeschlossen, kann der Außendrücker wieder die Falle zurückziehen.

Zum erneuten Sperren des Außenzugangs muss der Riegel mit dem Schlüssel vorgeschlossen werden. Bei Ausführungen mit zusätzlicher Wechselfunktion lässt sich auch die Falle über den Schlüssel zurückziehen.

Innenseite: Drücker und Schließzylinder

Der Innendrücker zieht die Falle und den vorgeschlossenen Riegel ohne vorherige Zylinderbetätigung zurück. Gleichzeitig wird der Außendrücker wieder wirksam.

Nach dieser Betätigung bleibt die Tür auch nach erneutem Zuziehen von außen über den Drücker zu öffnen. Das gilt ebenso, wenn die Tür im Alltag und nicht während einer Gefahrensituation von innen geöffnet wurde. Um den Außenzugang wieder zu sperren, ist erneutes Abschließen über einen entsprechend bedienbaren Schließzylinder erforderlich – von außen oder bei entsprechender Ausstattung von innen.

Der entscheidende Unterschied zu Funktion B lautet somit: Bei D stellt die Öffnung von innen den Durchgang von außen her; bei B bleibt die Außendrücker-Freigabe von der Schlüsselschaltung abhängig.

3.4 Panikfunktion E – Wechselfunktion

Einsteckschloss Panikfunktion EDie Funktion E kombiniert die schlüssellose Öffnung von innen mit einer schlüsselbetätigten Öffnung von außen.

Außenseite: feststehender Beschlag und Schließzylinder

Außen befindet sich üblicherweise ein feststehender Türknauf oder Stoßgriff, kein zur Schlossbetätigung wirksamer Türdrücker.

Ist ein manuell betätigter Riegel vorgeschlossen, wird er zunächst mit dem Schlüssel zurückgeschlossen. Durch die weitere Schlüsselbetätigung in Öffnungsrichtung wird anschließend die Falle über den sogenannten Wechsel zurückgezogen. Erst dadurch lässt sich die Tür öffnen. Auch wenn der Riegel bereits zurückgeschlossen ist, muss die Falle für die mechanische Öffnung von außen mit dem Schlüssel zurückgezogen werden.

Innenseite: Drücker und Schließzylinder

Der Innendrücker zieht die Falle und einen ausgefahrenen Riegel zurück. Ein vorheriges Entriegeln am Schließzylinder ist nicht erforderlich. Bei entsprechend ausgestatteten handverriegelnden Ausführungen kann der Innenzylinder zusätzlich zur regulären Ver- und Entriegelung sowie zum Zurückziehen der Falle benutzt werden.

Nach einer Öffnung von innen und dem erneuten Zuziehen bleibt die mechanische Öffnung von außen schlüsselabhängig. Daraus folgt jedoch nicht, dass der Riegel wieder vorgeschlossen ist: Ohne zusätzliche Selbstverriegelung kann die Tür anschließend nur von der Falle zugehalten werden. Selbstverriegelnde E-Ausführungen stellen ihre vorgesehene Verriegelung dagegen beim Schließen wieder her.

Anforderungen an den vollständigen Fluchttürverschluss

Für den Einsatz in Flucht- und Rettungswegen ist nicht allein die Panikfunktion des Schlosses maßgeblich. Schloss und Beschläge müssen in einer dafür geprüften und geeigneten Kombination verwendet werden. Ein beliebig zusammengestelltes System wird nicht schon durch den Einbau eines Panikschlosses zu einem normgerechten Fluchttürverschluss.

DIN EN 179 behandelt Notausgangsverschlüsse mit Türdrücker oder Stoßplatte. Sie sind für Anwendungen vorgesehen, bei denen die Entstehung einer Paniksituation unwahrscheinlich ist.

DIN EN 1125 behandelt Paniktürverschlüsse mit horizontaler Betätigungsstange. Die Auswahl richtet sich nach der konkreten Nutzung und den Anforderungen an die betreffende Tür, nicht allein nach einer pauschalen Gebäudebezeichnung wie „Büro“ oder „Schule“.

4. Motorschlösser und elektrisch kuppelbare Schlösser

Ein Motorschloss betätigt seine Verriegelungsmechanik mithilfe eines Elektromotors. Je nach Konstruktion übernimmt dieser nur die Entriegelung oder sowohl das Ver- als auch das Entriegeln. Die Ansteuerung erfolgt über eine geeignete Steuerung, beispielsweise in Verbindung mit einer Zutrittskontrolle, einer Gegensprechanlage oder einer Gebäudeautomation.

Dabei sind drei unterschiedliche Vorgänge zu trennen: Die Zutrittskontrolle beziehungsweise Bediensteuerung erteilt die Freigabe, das Motorschloss entriegelt, und ein zusätzlicher Türantrieb bewegt gegebenenfalls das Türblatt. Ein Motorschloss allein öffnet die Tür daher nicht automatisch im Sinne einer selbsttätigen Türbewegung. Ohne Türantrieb wird das entriegelte Türblatt von Hand bewegt.

Motorische Schlösser und Mehrfachverriegelungen eignen sich insbesondere für Gebäude, in denen eine elektronische Zutrittssteuerung mit einer mechanischen Verriegelung verbunden werden soll. Sie können außerdem Bestandteil automatisierter Türsysteme sein.

Eine verwandte, aber anders arbeitende Lösung ist das elektrisch kuppelbare Schloss. Hier gibt ein elektrisches Signal den Außendrücker frei. Die eigentliche Rücknahme der Sperrelemente erfolgt anschließend durch die manuelle Drückerbetätigung. Bei der Auswahl ist deshalb zu unterscheiden, ob das System die Tür motorisch entriegeln oder lediglich den Drücker zur Benutzung freigeben soll.

Bei elektrisch betriebenen Systemen muss außerdem das Verhalten bei einem Stromausfall berücksichtigt werden. Einige Motorschlösser bleiben von außen mechanisch über den Schlüssel und von innen über eine mechanische Panikfunktion bedienbar. Eine Notstromversorgung ist deshalb nicht pauschal für jede Öffnungsfunktion erforderlich. Ob eine Pufferung für bestimmte Betriebs- oder Sicherheitsfunktionen benötigt wird, hängt vom vollständigen Türsystem ab.

5. Magnetfallenschlösser

Bei einem Magnetfallenschloss wird die Falle mithilfe von Magnetkraft in ihre Schließstellung bewegt. Im geöffneten Zustand bleibt sie bei typischen Ausführungen bündig im Schloss zurück. Erst wenn die Tür ihre geschlossene Position erreicht, zieht das passende magnetische Schließblech die Falle in die Aufnahme im Rahmen.

Dadurch entfällt das bei einer herkömmlichen Schrägfalle übliche Anschlagen und Gleiten am Schließblech. Das ermöglicht ein geräuscharmes Schließen und eine unauffällige Gestaltung der Türschmalseite. Die Falle wird zum Öffnen wieder über den Türdrücker zurückgezogen. Eine Bremswirkung auf das Türblatt ist mit diesem Prinzip jedoch nicht verbunden: Eine Magnetfalle ersetzt keine Schließdämpfung.

Magnetfallenschlösser werden vor allem an Innentüren eingesetzt. Je nach Produkt sind Ausführungen für Buntbartschlüssel, Profilzylinder oder WC-Betätigung erhältlich. Die magnetische Fallenbetätigung und die zusätzliche Verriegelungsart sind dabei getrennte Eigenschaften.

Der Begriff Magnetfallenschloss ist präziser als die allgemeine Bezeichnung “Magnetschloss“. Davon zu unterscheiden sind elektromagnetische Türverriegelungen, bei denen ein elektrisch betriebener Haftmagnet zum Geschlossenhalten der Tür dient. Diese Systeme besitzen eine andere Funktionsweise und sind als eigene Produktgruppe zu betrachten.

6. Auswahl, Kompatibilität und sichere Verwendung

Die Auswahl eines Schlosses sollte vom erforderlichen Verhalten der gesamten Tür ausgehen: Soll sie nach jedem Schließen verriegeln? Muss sie von innen ohne Schlüssel zu öffnen sein? Soll der Außenzugang zeitweise freigegeben werden? Ist eine elektronische Entriegelung erforderlich? Erst aus diesen Anforderungen ergibt sich die passende Kombination von Funktionen.

Neben der gewünschten Bedienung sind die mechanischen Abmessungen und die vorgesehenen Komponenten zu prüfen. Bei Panikschlössern können beispielsweise geteilte Drückernüsse und dazu passende Beschläge erforderlich sein, damit Innen- und Außendrücker unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Ein Austausch darf deshalb nicht allein danach beurteilt werden, ob das neue Schloss in die vorhandene Schlosstasche passt.

Auch der Schließzylinder muss für das konkrete Schloss geeignet sein. Ein Freilaufzylinder ist nicht grundsätzlich bei jedem Panikschloss erforderlich; es gibt ausdrücklich dafür ausgelegte Systeme, die ohne ihn auskommen. Maßgeblich sind die Vorgaben des jeweiligen Schlossherstellers.

Bei Flucht-, Feuer- und Rauchschutztüren sind zusätzlich die für die betreffende Anwendung nachgewiesenen Systemkombinationen zu beachten. Fachgerechte Montage, korrekte Einstellung und die vorgesehenen Funktionsprüfungen beziehungsweise Wartungsmaßnahmen gehören deshalb ebenso zur sicheren Verwendung wie die Auswahl des passenden Produkts.

Fazit

Die beschriebenen Schlossvarianten erfüllen unterschiedliche, teilweise miteinander kombinierbare Aufgaben. Selbstverriegelung übernimmt das automatische Verriegeln einer geschlossenen Tür. Mehrfachverriegelungen verteilen die Verriegelung auf mehrere Stellen. Panikfunktionen ermöglichen die schlüssellose Öffnung von der Fluchtseite und bestimmen zugleich das Verhalten der Außenbedienung. Motorische Systeme erweitern die Möglichkeiten der Zutrittssteuerung, während Magnetfallenschlösser vor allem die Fallenbetätigung und das Schließverhalten verändern.

Entscheidend ist nicht die größtmögliche Zahl an Funktionen, sondern eine zum Einsatzfall passende und technisch abgestimmte Lösung. Insbesondere Selbstverriegelung, schlüsselloser Zutritt, Fluchtmöglichkeit und geprüfte Einbruchhemmung sollten dabei nicht miteinander gleichgesetzt werden.

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